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    Kiteleinen – Eine Wissenschaft für sich

kitesurfen snowkiten

Der Stoff aus dem die Träume sind…

03.Feb.2012:

Flysurfer Kites sind technisch sehr aufwändige Produkte. Über 1000 Einzelteile müssen beispielsweise bei einem Speed3 optimal zusammenspielen. Und wer schon einmal den Mixer eines Flysurfer Kites verstellt hat, weiß, wie kleine Veränderungen sich beim Flugverhalten eklatant bemerkbar machen können. Nicht umsonst werden unsere Kites bis zu dreimal durchgemessen, bevor sie in die Hände seines neuen Besitzers gelangen. Und genau deswegen muss man sich als Hersteller über jedes Bauteil eine Menge Gedanken machen. Wir wollen an dieser Stelle einmal ein wenig Hintergrundinformation aus unserer Entwicklung geben zu einem sehr wichtigen Bestandteil, jedes Flysurfer Kites: Den Leinen.

Von der Centerline zur LCL

Leinenwirrwarr

Wer das erste mal einen Flysurfer Kite aufgebaut hat, wird vielleicht etwas Respekt von den vielen „Strippen“ haben, die an unseren Produkten verbaut sind. Hat man sich einmal ein wenig mit der Materie befasst, wird man schnell merken, dass alles halb so wild ist und man letztendlich weniger sortieren oder entheddern muss, als bei einem Kite, den man vor jeder Session neu anknüpfen muss.

Daher stellen wir die einmal die Bauteile vom Chickenloop bis zur Kappe vor. Bereits die erste Leine, die man beim Fliegen vor der Nase hat, ist von wichtiger Bedeutung: Der Depowertampen.

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Der Depowertampen trägt die ganze Kraft des Kitesurfers und ein Reißen kann üble Folgen haben. Daher hat Flysurfer durch den sehr abriebfesten Tampen noch eine Seele gezogen, um auf Nummer sicher zu gehen. Es schadet dennoch nicht, den Depowertampen zu wechseln, wenn er sich shcon in seine Einzelteile auflöst.

Wir haben uns Mühe gegeben, dieses Bauteil so günstig wie möglich zu machen, da es das häufigste Verschleißteil an einem Kite ist. Zusätzlich wird jeder unserer Schirme mit einem Ersatz-Depowertampen ausgeliefert.

Die Verwendung von Schläuchen um den Tampen kommt derzeit nicht in Frage, denn diese neigen bei niedrigen Temperaturen zum Brechen und an diesen Bruchstellen kann sich die Bar dann verhaken und ein Depowern unmöglich machen.

Die Vorlaufleinen

Für Flysurfer als All-Terrain-Kites, die gerne im Schnee eingesetzt werden, ist dies natürlich ein No-Go. Zudem würde es mit unserem voll ausdrehbaren Barsystem Schwierigkeiten geben, Schläuche zu verwenden. Die nächste Leine, mit der man häufiger Kontakt hat, ist die Vorleine, einem etwas dickeren und gut greifbaren Tampen, den man beispielsweise beim Relaunchen braucht.

Am meisten Beachtung schenkt man aber als Kitesurfer den Flugleinen, welche auch wirklich erstaunliches leisten. Sie sollen einen möglichst guten Kompromiss aus Reißfestigkeit, Durchmesser und Steifigkeit bieten und gleichzeitig möglichst langlebig sein. In der Regel werden hier geflochtene Dyneemaleinen mit einer Bruchlast von 250 bis 300 daN (etwa gleich einer Belastbarkeit in Kilogramm) verwendet. Unsere Fronlines halten im Neuzustand sogar nochmals eine Ecke mehr aus und zwar über 400 daN.

Gliederung der Waage eines Flysurfer-Kites

Im Mixer, der Rollenkonstruktion oberhalb der Flugleinen, werden dann die Lenkbefehle und Zugkräfte auf die Waage und damit den Schirm verteilt. Die meisten unserer Kites haben hier vier Ebenen von Waageleinen. Die hinterste ist dabei immer die Bremse, auch Z-Ebene genannt. Die anderen werden von vorne nach hinten mit A, B und C durchnummeriert. Manche Gleitschirme haben zusätzlich noch eine D-Ebene, doch ist dies bei Kites nicht notwendig.

Schließlich ist eines unserer Entwicklungsziele, immer so wenig Leinen wie nötig zu verwenden. Um Luftwiderstand und die Gefahr des Verhedderns zu verringern, gibt es Hauptleinen für jede Ebene (A-Main, Z-Main, etc.), die sich zum Schirm hin nochmals aufteilen.

Eine pinke LCLeine weiße LCL

An den Aufhängepunkten selbst finden sich noch kleine Leinenstücke von etwa einem Zentimeter Länge, die so genannten Little Connection Lines.

Diese erleichtern das Austauschen defekter Waageleinen und dienen gleichzeitig als Sollbruchstelle bei zu hohen Belastungen. Zum Beispiel wenn eine Welle in einen Kite bricht und der Kiter noch eingehängt ist, hat diese kleine Innovation schon die eine oder andere kostenintensive Reparatur erspart.

Ein erstaunliches Material

Je nachdem, was eine Leine können soll, bieten sich verschiedene Konstruktionen an. Im Wesentlichen sind das zwei große Leinenarten: Gemantelte und ungemantelte.

Unterschiedliche Leinentypen

Während die ungemantelten Leinen aus einem Hohlgeflecht bestehen, wird bei gemantelten zuerst ein Kern geflochten und dann wiederum ein Mantel über diesen gezogen. Die Vorteile einer ungemantelten Leine sind der geringere Durchmesser und somit auch ein geringerer Luftwiderstand sowie die glattere Beschaffenheit. Gemantelte sind hingegen besonders konstant in ihrer Länge und bieten durch den Mantel einen Schutz für den Kern, der die ja die Belastung trägt. Gerade deswegen neigen wir auch bei Waageleinen immer mehr dazu, gemantelte Leinen zu nehmen. Bei Flugleinen hingegen sind sie aus einem einfachen Grund eher ungeeignet: Da diese Leinen rauer sind, könnte man schon nach einer Doppelrotation unter Umständen den Schirm nicht mehr steuern.
Sparepartleine am Pully
Für die Leinen, die durch Rollen gehen, kommt sogar überhaupt nichts anderes in Frage, denn diese Leinen werden ständig gebogen und umgelenkt und würden sich dadurch zu schnell stark verkürzen. Die neongelben Sparepartlines des Mixers (die Leinen die über die Rollen laufen)sind daher auch eine spezielle Entwicklung für genau diesen Zweck: Konstante Länge über lange Zeit und hohe Abriebfestigkeit.

Für die Anforderungen, die wir bei unserem Sport an die Leinen stellen, haben sich insbesondere zwei Materialien als besonders geeignet herauskristallisiert: Polyester und Dyneema. Dyneema ist dabei eine hochfeste Polyethylenfaser, die in einem speziellen Verfahren (das so genannte Gelspinnverfahren) produziert wird. Neben einer unglaublich guten Reißfestigkeit bietet Dyneema auch eine gute Scheurbeständigkeit und nimmt keinerlei Feuchtigkeit auf. Zudem ist es resistent gegen eine Vielzahl von Chemikalien. Dabei ist nicht nur die Produktion patentiert, sondern auch der Begriff ist ein Markenname. Somit finden die meisten Kiteleinen alle in einer holländischen Firma ihren Ursprung.
Am ähnlichsten ist diesem Material noch Spektra, ebenfalls ein hochfestes Polyethylen, welches aber nur selten Verwendung im Kitebereich findet. Polyester kann mit dieser unglaublichen Bruchfestigkeit einer Dyneemafaser nicht mithalten. Aber es bietet einen anderen Vorteil: Es ist sehr scheuer- und UV-beständig. Deswegen werden Mäntel für Leinen meist aus Polyester hergestellt. Wie nun diese Fasern verarbeitet werden, das obliegt der Erfahrung des Leinenherstellers. Und dabei gibt es enorme Unterschiede. Flysurfer arbeitet, was Flugleinen angeht, schon seit längerem mit dem deutschen Hersteller Liros zusammen und war in dieser Kooperation schon an einer Vielzahl neuer Entwicklungen beteiligt.

Der grobe Ablauf der Fertigung ist im Wesentlichen immer identisch. Die Faser muss zuerst zu einem Garn gesponnen und dieser wiederum geflochten werden. Es gibt unterschiedlichste Flechtmuster und Veredelungsverfahren, also eine Menge Parameter, an denen man Schrauben kann. Am Ende der Produktion wird die Leine noch einmal unter hoher Temperatur und nahe an der Bruchlast vorgereckt, verbacken und gewachst. Dies gewährleistet, dass sich Leinen nicht mit der Zeit dehnen. Und auch wenn manche etwas anderes glauben: Das tun sie tatsächlich nicht.

Ende gut, alles gut?

Wie man eine Leine enden lässt, ist meist Entscheidung der Kitefirma selbst. Die einfachste Variante ist ein Knoten. Jedoch kann das die Bruchlast einer Leine mehr als halbieren, da man sie um einen engen Radius biegt und somit die Fasern unterschiedlich stark belastet sind. Deswegen findet man Knoten nur äußerst selten bei Kites. Gebräuchlicher ist es, die Leine einfach zu vernähen, wie wir es mit sämtlichen unserer gemantelten Leinen tun. Bei vielen Kites werden Flugleinen vor dem Vernähen auf einem kurzen Stück mit einem Mantel versehen. Das hat Vorteile, wo Verbindungen häufiger geöffnet und angeknüpft werden. Bei unseren Schirmen findest du diese Variante nicht, denn die eleganteste und in Sachen Bruchlast effektivste Variante ist der Spleiß. Hierbei wird ein Leinenende durch die Leine gezogen und vernäht, so dass eine Schlaufe entsteht. Es entsteht ein sehr sauberes Ende, welches sich nicht verhaken kann und extrem gut hält. Allerdings gibt es diese Option nur bei ungemantelten Leinen, wie unseren Flugleinen. Zudem ist ein Spleiß Handarbeit und somit relativ aufwändig und teuer.

Altern macht kurz – Oder: Die Eigenschaften einer Leine auf Dauer

Wer schon einmal die Leinen eines älteren Schirm verglichen hat, wird feststellen, dass die Frontlines im Verhältnis zu den Backlines mit der Zeit länger werden. Wer sich dann die Mühe macht, nachzumessen, wird feststellen dass sich in Wirklichkeit nur die Backlines verkürzt haben, während die Frontlines sich fast nicht verändert haben. Im ersten Moment verblüffend, aber wenn man sich etwas damit beschäftigt einleuchtend.

Längenunterschiede bei den Flugleinen

Man muss im Hinterkopf haben, dass die Leine vor der Auslieferung extrem vorgereckt und so verbacken wurde. Durch Abknicken der Leinen (z.B. beim Aufwickeln) oder Scheuern (z.B. nach Rotationen) bricht die Beschichtung einer Leine auf. Zusätzlich setzt sich mit der Zeit auch Staub oder Sand in der Leine ab. Beides hat einen Effekt: Die Leine wird dicker und damit kürzer. Bei Frontlines wird dies durch die hohe Last, die beim Kiten immer wieder zum Tragen kommt, fast oder manchmal sogar ganz aufgehoben. Doch da Backlines nur wenig belastet werden, verkürzen sie sich deutlich. Bis zu 20 Zentimeter können es schon einmal sein. Und um dies auszugleichen, befindet sich über dem Adjuster unserer Kites eine kleine schwarze Leine, die Depower-Vorlaufleine, welche sich einfach umknoten lässt. Bei normalem Gebrauch sollten die Leinen nach etwa einem Jahr nachjustiert werden, bei häufigem bereits früher.

Ob die Leinen stimmen, lässt sich ganz einfach prüfen. Fixiere alle Leinenenden an einem Punkt, öffne den Adjuster und bringe die Leinen an der Bar unter Spannung. Frontlines und Backlines sollten nun exakt gleich stark gespannt sein. Irgendwann hilft auch nachjustieren nichts mehr: Das Leben jeder Leine ist wie sie selbst endlich.

Wie lange es dauert, das ist stark vom Gebrauch abhängig. Für die meisten Nutzer sind das viele Jahre, jedoch schadet es nicht, ein Bauteil auszutauschen, wenn man ihm nicht mehr vertraut. Als erstes den Depowertampen, dann die Sparepartlines im Mixer und danach sind meist die Flugleinen dran.

Wichtig ist dabei, paarige Leinen (Mixer, Flugleinen, Waageleinen) auch paarweise auszutauschen, denn wie wir ja bereits bemerkt haben, macht altern kurz – und das würde unter umständen den Schirm sonst schief fliegen lassen.

Hier noch mal zusammegefasst was ihr tun solltet damit Eure Leinen möglichst lange halten:

  • Bei längerer Lagerung mit Süßwasser ausspühlen und im Schatten trocknen lassen
  • Keine Knicke und Knoten in die Leinen machen
  • UV-Strahlung vermeiden (Kite am Strand liegen lassen)
  • Sollten sich die Leinen an einem Hinderniss (Baum, Steine) verfangen haben, wenn möglich vorsichtig  entfernen. Zu starker Zug kann die Leine nachhaltig beschädigen und die Symmetrie beeinträchtigen (Leinen sind dann unterschiedlich lang)

Bei jedem Leinenauslegen sollten die Leinen auf Beschädigungen geprüft werden, wenn deutliche Abnutzungserscheinungen zu sehen sind, ist ein Austausch ratsam. Bitte immer symmetrisch austauschen um die Schirmgeometrie nicht zu beeinträchtigen, letztendlich mindert sich nur Dein Spaß, wenn der Schirm schlecht fliegt.

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